Freitag, 27. Juni 2014

GROSSPROJEKT!


Von kleinen Piktogrammenschlein und großen Zeltbauern.

Strip #2
Strip #1
Einer unserer Stammkunden ist das Unternehmen "Mein-Zelt-Steht-Schon.de" (im Folgenden abgekürzt immer MZSS genannt), spezialisiert auf eine ganz besondere Marktlücke: Wer sich mit dem Gedanken herumschlägt eines der vielen jährlich stattfindenden Festivals (oder ein ähnliche Freiluftereignisse) zu besuchen und sich – dem uneingeschränkten Musikgenuss geschuldet – nicht abmühen will mit Zeltauf/-abbau, wer all die kleinen und großen Camperaccessoires überhaupt gar nicht erst besitzt und einfach nur die Atmosphäre genießen will, mietet sich einfach alles was das Openair-Besucher-Herz für Logie benötigt bei MZSS! Und die bauen das auch noch auf, sodaß man quasi nur noch einziehen muss! – Das ist praktisch! Das ist gut! Das ist genial! 
Und da Kollegin S.V. – ihrerseits vergeschwistert mit einem der Zeltservicebetreiber – vor vielen Jahren mal das mittlerweile redesignte Ur-Logo gestaltete, besteht trotzdem noch eine durchgehende Geschäftsbeziehung, die in diesem Jahr gewisse Grenzen sprengte, als es darum ging Zeltabdeckplanen mit Motiven zwecks Werbewirkung zu gestalten.
Know How! / Noo Hau!
Ecce Piktogramm-Homo!
Basis dieses im übertragenen Sinne wahrhaftig großen Auftrags, war die Idee, die Anreise zum OpenAir-Festival bzw. den Festivalalltag mit und ohne MZSS gegenüber zu stellen, um die Vorteile dieser Dienstleistungsidee zu unterstreichen. Und da vor geraumer Zeit schon die Dienstbekleidung von uns gestaltet wurde, lag es nahe Gestaltungselemente daraus einer Wiederverwendund zuzuführen, um – den CorporateDesign-Regeln folgend – ein insich geschlossenes Bild zu vermitteln.
Prägnantes Stilelement des Corporate-Clothings anno 2012/13 waren die kleinen Piktogrammenschlein. Verspielter, knuffiger und sympathischer als all die anderen Standard-Piktogrammkreaturen, die es sonst so auf Warn- und Hinweisschilder schaffen, haben wir diese speziell angelehnt an das Logo von MZSS entworfen und extrem variabel konzipiert.
Winke winke!
Besteht das handelsübliche Piktomännlein (z.B. Transit-Font) normalerweise aus fest definierten und sklavisch in ein Raster eingepassten Einzelteilen, die diese meist sehr steif und steril wirken lassen, glänzen die MZSS-Menschlein durch ein angemessen lockeres aber kontrollierbares Grundschema, das viele Freiheiten lässt, um all die Handlungen darstellen zu können, die für die "Comic-Strips" auf den Zeltplanen vorgesehen waren! Da ich als einzigen Aufhänger – als Ersatz für ein Raster – zu Beginn nur einfache geometrische Formen (Kreis als Kopf, Dreiecke und Vierecke für Extremitäten und Rumpf) verwendete, konnte ich m.E.n. viel mehr Witz in die Darstellung legen, als es mit einem an ein Raster gekettetes Standardpiktogrammfigürchen möglich gewesen wäre. Ganz davon abgesehen, daß ich einige dogmatische Gestaltungsregeln mal Außen vor ließ, um die nötige Ellenbogenfreiheit zu erlangen. Ein weiterer Pluspunkt der MZSS-Pikto-Menschlein ist der reduzierte Geschlechtsdimorphismus. Das Weibchen ist nicht kleiner als das Männchen, es trägt keine langen Haare, dicke Brüste oder andere Klischees mitsich herum, sondern grenzt sich einzig durch ein angedeutetes Röckchen vom Männchen ab – oder anders ausgedrückt: der Rumpf ist im Gegensatz zum männlichen Pendant unten nur zu einem kleinen Leibchen verbreitert und folgt so dem einfachsten Geschlechtsdifferenzierungsschema, was überhaupt existiert. 
Und weil die Ideen für die Geschichten rund ums Zelt-Thema im Kopf gleich zu Beginn des Schaffensprozesses überschwappten, war es zuallererst zwingend erforderlich Skizzen anzufertigen und quasi eine Art Storyboard zu erstellen, um fleißig Anmerkungen zu kritzeln, Änderungen vorzunehmen und eine brauchbare Grundlage für die Digitalisierung zu haben. Und verloren geht so auch nichts, was zumindest für den Moment wertvoll scheint.
Sketch. Strip. Smile.
Mit den besagten Skizzen – zur kritischen Begutachtung in Kopie an die Auftraggeber gesandt – als Fundament, konnte die Umsetzung in druckbare Ergebnisse erfolgen: erst scannen, dann vektorisieren und arrangieren und korrigieren und korrigieren und die Geschlechterrollen tauschen, damit Frau und Mann gleichberechtigt positive Erfahrungen mit dem Service von MZSS machen durften! In Anlehnung an das MZSS-Logo und die bereits bestehenden T-Shirt-Motive rundete ich zum Schluss die eckigen Formen der Pikto-Menschlein ab, sodaß sie viel agiler, lebendiger und emotionaler daherkamen. Und um – soviel sei erwähnt – doch noch eine Art roten Gestaltungsfaden zu knüpfen und die harschen Piktogrammgestaltungsrichtlinien zumindest dem Anschein nach zu befolgen, sind die MZSS-Menschlein in ein standardisiertes Umfeld eingefügt: festgelegte Strichstärken, Formen und Geometrien...fertig...naja, fast.

Zu groß...?!
Die zweite Herausforderung bestand dann in der Gestaltung der Rückseiten, oder besser formuliert, der entgegengesetzten Seiten der Planen. Allerlei Schabernack kam mir in den Sinn, Kollegin S.V. machte auch ihre ansehnlichen Vorschläge, doch am Ende einigten wir uns auf ein wirklich riesiges Foto – landschaftlich reizvolle Idylle zeigend – für die andere Hälfte der Plane. Und da ich in meiner spätjugendlichen Überheblichkeit dachte, die Rechenkapazität meines mittlerweile fast 7 Jahre alten iMacs würde der Aufgabe gewachsen sein, so ein exorbitant breites, sehr hochauflösendes und auch noch selbst fotomontiertes Landschaftsbild zu erzeugen, machte ich mich ans Werk. Um jegliche Störung im Arbeitsprozess im Vornherein auszuschließen lief nur noch das Photoshop-Programm und einige Neustarts zur Entleerung des Arbeitsspeichers waren auch von Nöten, um voran zu kommen. Dank allerlei Bildmaterials (Danke Rico!) konnte ich in einem ersten Schritt prototypisch die breitwandige Szenerie quasi vorskizzieren. Am undankbarsten war dabei die feinteilige und nervtötende Freistellerei von Gras und Laub. Das Zusammenfügen der Einzelteile und Kaschieren von Unregelmäßigkeiten war auch noch ein Drama für sich – aber dutzende Ladebalken und gerauften Haaren und Tassen Kaffee später zeigte der Bildschirm die wohl größte Photoshop-Datei an, die ich je erzeugt habe: 25.351 x 6.796px mit satten 685,8 MB Dateigröße. Irre!

Supersize me please!

Umgewandelt in eine vierfarbige JPG-Datei bei nur 50% der Originalmaße bei doppelter Druckauflösung (Skalierungsspielereien sind riskant, schonen aber den Prozessor), legte ich final noch ein paar Effekte, wie z.B. sanftes Rauschen, mattierende Weichzeichner etc. über die künstlich zusammengebastelte Landschaft. Denn angesichts des riesigen Formats liegt das Augenmerk in erster Linie auf der Fernwirkung, sodaß auf kleinteilige Details keinen Wert gelegt werden musste.

Am Limit und darüber hinaus. 
Es gibt technische Probleme in dieser Branche, die kriegt man entweder nie mit, stößt zufällig darauf oder wird urplötzlich damit konfrontiert, wenn man gar nicht damit rechnet. Letzteres war der Fall, als es daran ging die Druckdaten zu erstellen. Das InDesign-Programm meldete plötzlich feist: PDF zu groß! Datei wird beschnitten und verkleinert! Ein solch dreistes, sich beschwerendes "…zu groß!" – Das ist mir ja noch nie passiert...?!
Es existiert doch tatsächlich eine Formatbeschränkung für PDF-Dateien von sage und schreibe 508 Zentimetern (200 Zoll) und neckische 2cm wurden rotzfrech beschnitten. Obskur bei der Sache war jedoch, daß der angedrohte Dateibeschnitt nur die Darstellung im Adobe-Reader betraf. Öffnete ich das PDF im Illustrator-Programm (das ja eine gigantische Arbeitsoberfläche hat), wurde alles korrekt in der tatsächlichen Größe angezeigt. Sicherlich kann man diverse PlugIns installieren, um solchen Überraschungen im Vornherein aus dem Weg zu gehen, aber wann erstellt man schon mal solch große Formate...?!


Die Naht hält!
Das Ende der Geschichte kann man durchaus als Happy-End bezeichnen. Nachdem ich die Satzdatei noch ein paar mal wegen spontaner Druckformatänderungen modifizieren musste, glückte die Druckdatenerstellung und heraus kamen PDFs von moderater Größe. Und nachdem alles auf großen Stoffbahnen gedruckt war, bemächtigten sich versierte Hände dem Erzeugnis um sie weiter zu veredeln: es wurde gefalzt, abgemessen, beschnitten und umgenäht – fertig! Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ist beständiger als das meiste, was wir bisher verzapft haben und gelohnt hat sich das auch noch in finanzieller und ideeler Hinsicht!
Der Feldversuch war erfolgreich!

Fisimatenten...?
Visitez ma tente...!?

(D.P.)

Dienstag, 24. Juni 2014

Tanz in den Sommer.

Sonnenwendfeier mit Holz, ohne Feuer und frei von obskurer Idiologie.

7000 rekonstruierte Jahre blicken auf dich herab!
Es geht Schlag auf Schlag hier im Fischplan-Blog und Kollege D.P. fordert ohnehin schon seit längerem eine höhere Beteiligung meinerseits an dieser Stelle. Und da der Sommer begonnen hat, liegt es nahe, mal Ausflugsziele in und um Leipzig mal unter die Lupe zu nehmen. 


Kalendarisch gesehen hat der Sommer ja am letzten Samstag begonnen. Es war Sommersonnenwende – der längste Tag und auch Anlass schon den zweiten Tag in Folge hier mal was zu posten! Und so schnappte ich mir am Samstag spontan zwei Freundinnen und ab ging es nach Goseck, dem Fußballgedöns entfliehend zum dortigen Sonnenobservatorium! Das Gosecker Sonnenobservatorium ist eine beeindruckende Rekonstruktion einer steinzeitlichen Kreisgrabenanlage, die vor knapp 7000 Jahren unterschiedlichen Zwecken diente (für weitere Infos siehe Link).

Und in der Gegenwart feierte man da passenderweise im Jahre 2014 die Sommersonnenwende: mit Tanz, Speis und Trank. Eigentlich war auch der Blick durchs Teleskop geplant, aber da es zu bewölkt war, erübrigte sich das leider genauso wie der direkte Blick auf die spät untergehende Sonne... Und das ebenfalls geplante obligatorische Lager- bzw. Sonnenwendfeuer fiel auch ins Wasser, da der zur Aufsicht Eingeteilte krank war und die Feuerwehr lieber Fußball gucken musste – der Wahn ums runde Leder macht selbst vor solchen Anlässen keinen Halt – schade.

Immerhin sorgten die luftig gekleideten Tänzerinnen der Gipsy-Reigentanz-Musik-Truppe "Balinka" aus Leipzig für folkloristisch angehauchte Stimmung, die auch die umstehenden Besucher zum Kreistanz animierten. Ich selbst wurde übrigens wiederholt Opfer dreister Mai-/Juni-Käfer-Attacken. Die kleinen Krabbler schwebten fröhlich durch die Luft und landeten gern auch mal in den Haaren! Irgendwie putzig...
Zum Abschluss gab es noch ein kleines, kurzes Feuerwerk; Biertresen, Rostergrill und Suppenküche packten zusammen, die Menschen liefen auseinander und gegen ca. 23:00 Uhr war es auch schon wieder vorbei. Der moderne Mensch hat kein Durchhaltevermögen mehr... 

Fazit.
Auf jeden Fall ist es eine interessante historische Anlage, die man auch abseits solcher Anlässe mal besuchen kann. Und da Sonnenwendfeiern in unseren Breiten stets der verdächtige Geruch idiologischer Färbung anhaftet, war die lockerlustige, volksfestartige Atmosphäre eine echte Überraschung und hob diese urig schöne Tradition auf einen zeitgemäßen Level. 
Jetzt muss nur noch der Sommer schön werden!

Mehr Infos zur Location:

(S.V.)

Montag, 23. Juni 2014

Ab in die Botanik!

Ich höre schon die ersten im Hof grölen...
Rette den Regenwald – trink mit!


Fußball ist seit geraumer Zeit wohl das Thema schlechthin – eine Flucht scheint aussichtslos. Und um diesem Trubel zu entkommen, heißt es raus aus dem Lärm, hinein in die Stille. Daher hab ich mal einen schönen Ausflug in den Botanischen Garten gemacht, fernab von Technik, Menschen, Jubeltrubel und Gedöns! Und es ist schön dort: trotz oder gerade weil der mitten in der Stadt liegt. Da sind die Wege kurz und die Wirkung maximal! Es ist echt entspannend dort zu lustwandeln und allerlei einheimischer und exotischer Pflanzen, Bäume, Sträucher, Blumen, Gräser usw. anzuschauen. Strukturen und Texturen wohin man sieht – ein Augenschmaus! Wer also genug hat vom Lärm des WM-Fiebers und wer mal eine Auszeit vom Alltag braucht, dem sei dieser außergewöhnliche Flecken in Leipzig ans Herz gelegt!

(S.V.)

Grün.
Idylle.

Filigran.


Von Bienen und Blumen...
Glas.

Welcome to the Jungle!

Montag, 16. Juni 2014

Rettet den Löwen!

Was ist dir deine Stadt wert...?!

Am Sonntag war wieder Ökofete – das jährliche Abschlussereignis der Leipziger Umwelttage unter Ägide des Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V. – und wenn alle Stricke reißen, könnte es auch die letzte gewesen sein...?!

Leipzig – Hype Hype Hurra?!
Leipzig soll neuerdings Hypzig sein oder so – durch Charme gepaart mit kreativer Eigenwilligkeit und durchzogen von großen und kleinen grünen Inseln hat diese Stadt einen Ruf zu verlieren. Auch und gerade wegen ihres grünen Antlitz' besticht unsere Stadt nicht nur die, die nach draußen schauen und das Heimat nennen, sondern auch Touristen, Zugezogene und andere Hypeziger. Und damit das so bleibt und noch besser wird, engagiert sich der Ökolöwe Leipzig e.V. seit 25 Jahren. Seien es Initiativen zum Ausbau des Radwegenetzes, Bildungsstätten wie den Stadtgarten Connewitz, Klagen gegen den Tornadoerlass, Aktionen zum Thema Lärmbekämpfung, Bemühungen den Clara-Zetkin-Park autofrei zu halten oder – ganz aktuell – die Durchsetzung der Beibehaltung des Motorbootverbots im Süden (Stichwort "Eisvogel"). Es braucht in dieser Stadt all die tatkräftigen und sich einmischenden Köpfe, die der auf dem ökologischen Auge mitunter sehbehinderten Stadtführung auf die Finger schauen und längerfristiger und ganzheitlicher denken, als irgendein Investitionsplan zur Umwandlung naturbelassener Flecken in betoniert-kultivierte Wüsten. 

Was kostet die Welt...?
Die finanzielle Abhängigkeit des Ökolöwe e.V. von städtischen Zuschüssen ist unbestreitbar und macht ihn verletzlich. Als Verein wirft man nicht zwangsläufig einen knallhart bilanzierbaren Profit ab – der Gewinn den der Ökolöwe als feste Instanz in Sachen Umweltschutz aufführen kann, ist der, Themen vorangetrieben zu haben, die den Zustand des "Ökosystems Stadt" fördern – mal handfest greifbar, mal auf höherer Ebene. Die bisherigen Spenden und Mitgliedsbeiträge decken leider nicht alle Kosten, deren Hauptposten wie so oft die Personalaufwendungen für all die tatkräftigen Mitarbeiter sind, die den Ökolöwen zu dem machen, was er ist. Die Stadt Leipzig als Fördermittelgeber sprang hier in der Vergangenheit bei und bezuschusste den Ökolöwen. Mit dem fast kompletten Wegfall dieser Unterstützung steht nun die Existenz des Ökolöwe in seiner bisherigen Form in Frage. Oder polemisch ausgedrückt: Ein paranoider Geist könnte jetzt schelmisch denken, daß es höhere Stellen in der Stadt geben könnte, denen es ganz gut gefiele, wenn diese oftmals unbequeme Stimme verstummen würde. Da dies bedeuten würde, die demokratische Partizipation unter finanziellen Aspekten zu betrachten, unterhöhlt ein solches (und an dieser Stelle nur vermutetes) Handeln jegliches Demokratieverständnis. Denn obwohl der Ökolöwe für die Stadt und einige ihrer Projekte in der Vergangenheit und Gegenwart ein unbequemer Mitgestalter war, tut er doch genau das, was gelebte Demokratie ausmacht – er nimmt an der Kompromiss- bzw. Lösungsfindung teil, macht aufmerksam und hält wenn es sein muss den Finger in die Wunde. Würde man politisches Engagement der kruden Logik von Gewinn und Verlust unterwerfen, könnte man gleich das leipziger Stadtparlament auflösen, da dieses nur Geld kostet und keinen marktwirtschaftlichen Gewinn abwirft.

Auch Du!
Ohne viele Worte: Spenden! (und/oder) Fördermitglied werden! 
Ökolöwe retten! Jetzt!


(S.V. & D.P.)

Mittwoch, 11. Juni 2014

Hurra...

Der Google-Übersetzer ist schuld...

Fuleco heißt nicht Arsch?
"Jetzt freu dich doch mit! Wir haben gewonnen! Unsere Jungs werden Weltmeister!" Ja, klar. Sie sind doch schon Weltmeister "eure Jungs"...: Werbeverträge, Gagen, Spielereinkommen, Passantenumfahren, Medienpräsenz etc. – Weltspitze. Wie das nervt! Dabei hat dieser die tumben Massen einlullende Brot-und-Spiele-Irrsinn noch nicht mal angefangen, doch seit Wochen wird man quasi rund um die Uhr belästigt mit den Gesundheitszuständen des Mannschaftsmaterials, WM-Reportagen, Promotionblödsinn, Werbespecials usw.  
Fußball war mal – ich erinnere mich trübe an meine Kindheit und Jugend – ein Vergnügen der Hinter- und Schulhöfe, betrieben von Kindern, Jugendlichen und Werktätigen zur Freizeitgestaltung bei Wind und Wetter. Es reichte aus, sich das Tor zur Not nur vorzustellen. Zwei Rucksäcke taten's auch. Fouls waren nur so gemein, wie die gegnerischen Schienbeine hart waren und Regelwidrigkeiten wurden zwischenmenschlich irgendwie immer gelöst – ich weiß von welchen Heulsusen Hobbystürmern ich schreibe. Das ist m.M.n. Fußball und das könnte sogar ich mögen, wäre ich nicht so unsportlich. Der kommerzielle Fußball dagegen wird mir immer mehr zum Graus. Der ohrenbetäubende Trubel, die aufgesetzte Heiterkeit, die Massenaufläufe drumherum sowie das Belästigen von Desinteressierten und Unbeteiligten tun dazu ihr schlimmstes. Es scheint irrelevant zu sein, daß es auch Menschen (und Männer) gibt, denen das Getue ums runde Leder scheißegal ist. 
Die eindrücklichste Erinnerung an diesen sinnfreien Terz ist jene, als ich vor Jahren (muss 2006 gewesen sein) in der Straßenbahn nach Hause fuhr und von freudebesoffenen, lustig-brüllenden und in Herde auftretenden Jugendlichen subtil-aggressiv zum Mitfreuen gezwungen werden sollte angesichts irgendeines Sieges der deutschen Mannschaft. Das gipfelte letztlich damit, daß ich mit mir gegen meinen Willen aufgemalten Flaggen auf den Wangen vollends genervt und vor Wut kochend aus der Tram ausstieg. In Gedanken hänge ich noch heute der Vorstellung nach, diesen Krampen von Hobby-Kosmetikern im Gegenzug eine abgebrochene Bierflasche ins Gesicht  zu schlagen. Olé Olé Olé...! 
Warum sollte man also die Fußball-WM in Brasilien anschauen im Fernsehen oder beim Freiluft-Pöbel-Kucken diesen überbezahlten Fachidioten beim stolpern und tappern zusehen? Warum schmücken normale BürgerInnen plötzlich ihr Auto mit kleinen Fähnchen, wo doch das Benzin nach deren Aussage so empörend teuer ist, als daß sich solche aerodynamischen Spirenzchen bei genauerer Überlegung von selbst verbieten würden? 
Doch zurück in die zweite Welt: Beim Stichwort Brasilien denk ich in erster Linie an pralle weibliche Hinterteile mit und ohne viel Bikinistoff drumherum (Wer wird Miss BumBum 2014?), Karneval, Amazonas, Urwald, Drogen, zügellose Gewalt und Armutsviertel. Zuckerhut, Beton-Jesus, die Retortenhauptstadt Brasilia und Samba kommen mir auch in den Sinn. Und immerhin sind die Wellblechhütten in den Favelas schön von der Sonne beschienen – Armut könnte doch so schön und idyllisch sein, wären die Armen nicht. Addiere ich jetzt noch die FIFA-WM 2014 dazu, ziehen jedoch Wolken auf an der Copacabana: heuschreckenartige Herren, so korrupt wie greis, verschachern ein sportliches Großereignis an das korrupteste/meistbietende Schwellenland in Südamerika, wo dann flugs für Milliarden Real neue Stadien aus dem gerodeten Urwaldboden gestampft, Ureinwohner vertrieben und Armenviertel geräumt werden – Samba! Wer braucht schon Regenwald, Krankenhäuser, Schulen, Sanitäranlagen usw.!? Samba!  
Das Maskottchen dieser mehraktigen Groteske heißt übrigens Fuleco (ein Kunstwort, zusammengewürfelt aus futebol und ecologia...naja. – Auf deutsch würde das wohl "Fußöko" oder so heißen und wäre analog zum vom Aussterben bedrohten Gürteltier ein irrer Auerhahn). Medial wurde breitgetreten, daß das angeblich 'Arsch' auf portugiesisch heißen würde. Doch das stimmt so wohl nicht ganz. So kursieren zwei Versionen zur Bedeutungsschwangerschaft und Wortherkunft: die eine besagt, daß dieses Kunstwort vorher nicht exisitiert hat und erst als Ausdruck des Protestes der Einheimischen fäkal belegt wurde; die andere Version bezeichnet Fuleco als brasilianischen Slang-Ausdruck, der tatsächlich so oder anders geschrieben, jedoch genau so intoniert den finalen Schließmuskel des Menschen blumig-deftig bezeichnet. Nachvollziehbar klingt beides. Nicht nachvollziehbar (und das schon immer), ist dieser Hang der Menschen, sich mit solchen Veranstaltungen zu identifizieren – oder infizieren zu lassen. Bringt es einer x-beliebigen Jaqueline oder einem Durchschnitts-Kevin wirklich was fürs persönliche Leben, wenn Deutschland wider Erwarten mal wieder Weltmeister werden würde? Bräche der lokal begrenzte Weltfrieden aus? Würde das Gras grüner, der Himmel blauer und die Hühner glücklicher werden?
Ich weiß, daß an dieser Stelle miesepeterige und spielverderbliche Züge lesbar werden, aber das Beispiel Italien zeigt doch eindrücklich, was tatsächlich möglich ist, wenn man mal wieder Weltmeister im Fußball wird: das Staatsdefizit sinkt auf historisches Niveau, der Papst hebt den Zölibat auf, die Mafia verliert zunehmend an Einfluss, altersgeile Ministerpräsidentendarsteller ziehen sich würdevoll aufs Altenteil zurück und geben sich nur noch mit gleichaltrigen Geschlechtspartnerinnen BungaBunga-Orgien hin (bis der Fuleco weh tut), weniger Maschinenöle im Olivenöl, keine Müllskandale mehr, FIATs rosten nicht mehr ganz so schnell usw. Es besteht also doch noch unberechtigte Hoffnung.

In diesem Sinne also: Sport frei!

(D.P.)

Kick mich!
P.S.: Für die eifrigen Bastler und all diejenigen, die zwischen den Spielen Beschäftigung suchen, hier noch der offizielle Planfisch/Fischplan-Papierfußballbastelbogen! Einfach Grafik herunterladen, auf stabilerem Papier ausdrucken (DIN A4), ausschneiden, falzen und zusammenkleben! Schwierigkeitsstufe: Hoch! Aber wer Weltmeister sein will, schafft auch das! 

Dienstag, 10. Juni 2014

Gut durch gebraten...

In the Heat of the Weekend: Wave-Gotik-Treffen 2014.
Es ward Licht...äh, Hitze!
Eins vorweg: es war heiß. Aber ich habe es überstanden! Und da nochimmer eine Gluthitze über Leipzig liegt, hier nur ein paar wenige Impressionen vom diesjährigen WGT – oder wie es der daheimgebliebene und dort schwitzende Kollege D.P. angesichts des medialen Fokus auf schrille Kostümierungen lakonisch nennt: Dunkelbunter Pfingst-Fasching.

(S.V.)


Siesta!
Blaue Stunde 1
Blaue Stunde 2
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gruftis...
Breit, breiter, am breitesten!

Licht!


Anmerkung:
Auch ich habe es überstanden Frau Kollegin – Hitze und Schwärze! 
Ein m.M.n. phasenweise schrilles und grelles Festival mangelnden ästhetischen Feingefühls ist zu ende gegangen. Ich hab zwar die meiste Zeit zu Hause schweißgebadet vor mich hingetrödelt, aber das Überangebot an Szene-Gestalten war nicht zu übersehen. Und von Jahr zu Jahr beschleicht mich immer mehr der Eindruck, daß das WGT für einige Exemplare kontinuierlich zu einer Kostümparade verkommt – zumindest wenn man das mediale Echo verfolgt: da ergießen sich Bild.de und Co. in regelrechten Wettstreiten, wer das noch sexiere und noch groteskere Kostüm ablichtet. Ist das wirklich die ursprüngliche Absicht gewesen? Immerhin spricht man ja hinter vorgehaltener Hand von etwa 15 Mio € Umsatz für den Einzelhandel, Tourismus und so weiter. 
Dann bis nächstes Jahr... (D.P.)


Donnerstag, 5. Juni 2014

Irgendwann zu Pfingsten...

Alle Jahre wieder – nicht nur Weihnachten.


Die Körnung lebe hoch!
Viele Worte braucht es nicht. Es ist Pfingsten. Und in Leipzig bedeutet das auch zum nunmehr zum 23. mal WGT. Scharen schwarzbunt gekleideter Weiblein, Männlein und was auch immer fluten das Stadtgebiet, Konzerte tönen, Lesungen werden lauschbar, Schaulaufstege wo man hinsieht und der lokale Einzelhandel freut sich auch. 
In diesem Sinne: Fröhliche Feiertage! 

(S.V. & D.P.)

P.S.: Als Gegenentwurf zu der unserer Meinung nach unsagbar hässlichen und in jeder Hinsicht renovierungsbedürftigen Aufmachung der WGT-Veranstalterseite verweisen wir in einem szenetypischen Anflug gespielter Arroganz auf folgende weise Feststellung: Es geht eigentlich auch in schön!

Montag, 2. Juni 2014

Ab ins Museum...

Die HR Giger-Ausstellung in der Galerie Sansvoix (Leipzig)

Struktur.
Seit langem schon finde ich die Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde etc. von Giger interessant, beeindruckend und sehr speziell – genau wie Kollege D.P. 
In meinem Bücherregal stehen viele Bücher und Bildbände und so lag es nahe auch mal die Wanderausstellung zu besuchen, die in Leipzig ihre Zelte aufgeschlagen hatte. Denn das Giger-Museum in Château St. Germain Gruyères in der Schweiz ist doch zu weit weg, um mal eben vorbeizuschauen. Daher freute ich mich, daß endlich ein kleiner Teil (wirklich klein) nun eben nach Leipzig kam, und man sich seine Werke und Skulpturen anschauen und bestaunen kann. Ich schob den Ausstellungsbesuch jedoch immer vor mich her und die Zeit verging.
Doch dann hörte ich von seinem plötzlichen Tod, was mich doch traurig machte: Als wäre dies ein Zeichen oder Omen oder gar Schicksal? Man freute sich auf diese Ausstellung, schaffte es trotzdem nicht, hinzugehen und dann stirbt er plötzlich und schwupps bekommt man da fast schon zwangsläufig ein schlechtes Gewissen, diese seltene Gelegenheit verpasst zu haben.
Collage 1
Denn Giger hat – mein Companion D.P. hat das auch schon letzte Woche weitschweifig und blumig formuliert – meine/unsere Generation irgendwie geprägt. Seien es die Designs für die Alien-Filme, die Airbrush-Gemälde und vieles mehr. Ich hab mich immer nur gefragt: Hat er in letzter Zeit überhaupt noch gearbeitet...? Somit war es schon ein merkwürdiges Gefühl in die Ausstellung zu gehen, nachdem er kürzlich gestorben ist. Scheint fast so, als sei danach das Interesse wieder größer geworden zu sein...?! 
Collage 2
Die Ausstellung war neben den üblicherweise verdächtigen Szenetypischen auch von "normalen" Leuten gut besucht, die das Interesse wohl erst jetzt bekamen, die kleine und nette Galerie aufzusuchen, die offen und hell, mit kleinen Séparées und mit im Raum stehenden alte Mauerstücke gespickt ist (Die stehen wohl dort immer?). Zu sehen bekommt man Zeichnungen, Skizzen, große Leinwandnachdrucke, Spezialdrucke und natürlich, was mir selbst am liebsten ist und gefällt: seine Objekte und Skulpturen aus Kunststoff, Eisen und diversen Materialen, die in abgewandelter Form verarbeitet und verfremdet wurden (die schwebenden Figuren bestanden u.a. aus einer Art Saxophon oder so).
Collage 3
Das imposanteste war, neben der halb liegenden/hockenden Alien-Skulptur, die giger-typische, biomechanische "Harkonnen-Sitzgruppe", mit ihren riesigen Alkoven-Stühlen, welche für den Kultfilm Dune entworfen aber damals nicht genutzt wurde. Leider wurden nur die "bekanntesten" Werke ausgestellt, welche aber nur eine ungefähre Vorstellung seines Kunstschaffens widerspiegeln, das viel umfangreicher ist.
Collage 4
Da das Interesse und die Nachfrage aus gegebenen, traurigen Anlass noch größer geworden ist, wurde die Ausstellung übrigens noch bis zum 29. Juni 2014 verlängert. Und obwohl alles eine überschaubare Größe hat, lohnt sich der Besuch und ich spreche hiermit eine Empfehlung aus: Hingehen! :-)
Collage 5
(S.V.)

Sonntag, 1. Juni 2014

Ausflüge in die Dreidimensionalität. [20]

Reduktion ist der Weg zur Erkenntnis.

Walk in the Sunshine.
Weniger ist manchmal mehr. Ein Spruch, der oft auch hier im Blog gebetsmühlenartig bei Gestaltungsfragen rezitiert wird und weitestgehend Geltung haben sollte hinsichtlich dessen, was man beruflich als Grafikfritze und privat verzapft. Und in der Hobby-Rubrik "Ausflüge in die Dreidimensionalität." beherzige ich einmal mehr dieses Leitmotiv und präsentiere hier wie so oft zuvor einen Exkurs zum Thema "Star Trek – da geht auch mal was anders".

Brauch'mer nich, kann weg...
Es war einmal...
Die Beschränkungen, die das von mir gehassliebte Sketchup-Programm mit sich bringt – seien es die bescheidenen Kreis- und Kugeltemplates, die grottigen Beleuchtungseffekte etc. – reduzieren (ich beschrieb das schon an anderer Stelle) die Möglichkeiten. Auf der anderen Seite ergeben sich besondere Herausforderungen aus dieser Einfachheit heraus, das Beste draus zu machen und mit den wenigen Werkzeugen – ausgeglichen durch Kniffe, Tricks und Photoshop-Nachbearbeitungsorgien – schön anzusehendes zu erschaffen.
Grau ist alle Theorie!
Thematisch, es fand schon oben Erwähnung, kreist es wieder um den von mir geliebten Star-Trek. Trotz oder gerade wegen des letzten m.M.n. unterirdischen letzten Films, beschloss ich – wie so oft in einem Anfall von Gedankenzirkulation – einigen Ideen betreffend Formsprache und ästhetischen Fundaments freien Lauf zu lassen und zu überlegen, was man einfach mal weglassen könnte am üblichen Raumschiff-Design, wie es oft genug stilistisch zweifelhafte Blüten treibt.
Grau ist auch aller Anfang!

Blaue Phase.
In einem Akt der Rückbesinnung erkannte ich, daß eine klare und reduzierte Formensprache auf einer übergeordneten Ebene der erste Baustein sein würde, auf dem Weg zum finalen Modell. Die originale Enterprise ist in gewisser Weise zur Ikone geworden – es mangelt ihr zwar an Textur, einige Designlösungen erscheinen im Spiegel moderner CGI-Modellierung haarsträubend simpel, aber doch erkennt jeder Popanz mit an Blindheit gerenzender Sicherheit dieses Stück Populärkultur wieder. Die Frage, woran das liegt, lässt sich möglicherweise in einer tiefgehenden Analyse ergründen – ich für meinen Teil schiebe es auf die wahrhafte Originalität des Entwurfs aus den 60ern und den gestalterischen Anspruch, nur soviel Raumschiff designt zu haben, wie es brauchte, um sich vom Rest abzusetzen. Die 60er-Jahre-Enterprise lässt so dramatischen Spielraum für Phantasie und Möglichkeiten offen, gerade weil nicht alles am Enterprise-Modell bis ins kleinste Detail durchtexturiert und -strukturiert ist. Jede Komponente an der alten "Big-E" sieht aufs Notwendigste heruntergebrochen aus (mit einigen Ausnahmen natürlich) und man spürt mit dem geschärften Sinn für den größeren Zusammenhang die größere Verwandtschaft mit den Marineschiffsdesigns der 60er und 70er Jahre als mit den Raketenraumschiffen der uralten Science-Fiction-TV-Serials á la Buck Rogers oder Flash Gordon.

Mit diesen Gedankengängen im grübelnden Bregen überlegte ich also, was eine ikonische Form sein könnte, die durch Fernwirkung schon eine gewisse Unverwechselbarkeit generiert, bei näherer Betrachtung Sinn macht und nicht so wirkt, als wollte ich jeden Winkel zukleistern nur des Zukleisterns willens, wie es heutzutage Gang und Gebe ist. Denn in Anbetracht der Tatsache, daß das Netz voll ist mit zwar zum Teil nett anzusehenden Ideen, diese aber m.M.n. das Problem zu großer Gestaltungsmöglichkeiten und Effektwerkzeuge aufweisen, die den Gestalter eine Vielzahl seiner Vorstellungen umsetzbar machen, aber die Frage nach dem Zweck offen lassen. Ich nenne das übrigens das WORD-Syndrom: eine Unzahl von Möglichkeiten digitaler Effekte führt zu einer Vielzahl von gestaltungstechnischen Katastrophen!

Licht aus!
Vermessenheit und andere Proportionslosigkeiten.
Und mit dieser (vielleicht doch nur neidischen?) Einstellung ging ich also ans Werk. Experimentierend mit kantigen, ovalen und anderen Formen, griff ich aus Effizienz-Gründen zurück auf kreisrunde Quer- und Längsschnitte bei der Gestaltung der Grundformen: Eine große, runde Untertassensektion – ohne viele Formschnörkel – bildet das Zentrum. Durchbrochen wird diese durch eine lange Röhre in Längsrichtung, die sich am Ende hin verdickt zu einer einzelnen Warp-Gondel. Dieser Längszylinder beherbergt alle star-trek-typischen Utensilien zum überlichtschnellen Raumflug und andere technische Einrichtungen: an der Spitze der Deflektor (eine schöne Satelliten-Schüssel), Energieerzeugungsdingens und anderer Firlefanz, dann die Luken für die Raumfähren (inspiriert durch die NX-01), Treibstofftanks und am Ende – strahlungssicher abgesetzt vom Rest – die potent wirkende Warpgondel, als integraler Bestandteil des zentralen Strangs, der das Schiff teilt. Ein schöner Nebeneffekt dieser Anordnung ist die scheinbare Auflösung der Oben-Unten-Ausrichtung – zumindest optisch und auf den ersten Blick. 
Da ich – die Star-Trek-Zeitrechnung beachtend – meinen Entwurf in die Zeit des Irdisch-Romulanischen Kriegs (also ca. 100 Jahre vor die Enterprise Kirks; ca. 2156 – 2160) einordne, sind die Formen simpel, solide und robust gehalten und "später" typische zerbrechlich wirkende technische Einrichtungen, wie die rotglühenden Bussardkollektoren fehlen. Inspirierend war diesbezüglich ein Besuch bei Masao Okazaki's "Starfleet Museum", welches originelle Designlösungen aus der Frühzeit des in Star Trek beschriebenen irdischen Raumflugs offeriert, die in gewisser Weise Pate gewesen sein können bei meiner Entwurfsidee.

Faltenwurfstudie 2.0
Doch zurück zur Formgebung: die einerseits für Sternenflottenschiffe obligatorische Untertassensektion ist durch den Antriebs- und Technik-Strang in zwei Hälften zerteilt und wirkt absichtlich wie mit der Axt geschnitzt und "aufgesetzt" – ohne eine Lostrennung eingeplant zu haben. Grund dafür war die Darstellung der potentiellen Gefährlichkeit der Antriebsmethode: Strahlung und andere Teufeleien sollten ordentlich abgegrenzt sein vom konventionellen Technikkram. Alles ist simpel, geradlinig, reduziert und auf Fließbandproduktion ausgelegt – denn es werden harte Zeiten gewesen sein! (Futur 2 – Wahnsinn!) Und weil es sich um ein "frühes" Schiff handelt, nehmen Treibstofftanks, Lagerräume und anderer Schnickschnack viel Raum ein. Ein Schelm, der dabei an die vollgepackten Unterseeboote der Gegenwart und Vergangenheit denkt, die eher dem Konzept der Sardinenbüchse im Sinne "wir bauen den Menschen in die Technik ein und nicht umgekehrt" folgen.

"Ganz schön vollgepackt...!?"

Gedöns.
Gut sortiert.
Braucht es einen Namen? Das Entwurfskonzept, wie ich es hier präsentiere, benötigt keinen bedeutungsschwangeren, sinnstrotzenden oder huldigenden Namen. Gerade der einfache, reduzierte Charakter des Entwurfs machen eine traditionelle Taufe unnötig und ich empfand geradezu einen Zwang, dem Flugobjekt keinen Namen zu geben sondern nur eine Nummer...austauschbar, hart arbeitend, entbehrlich. Die Deutschen nannten sowas im ersten Weltkrieg den "Mobilmachungstyp". Denn es können ja nicht alle Helden sein, die den Weltraum durchkreuzen und im dümmsten Fall nicht wiederkehren...
Ein weiterer Aspekt des radikalen Weglassens stellt übrigens das Fehlen jeglicher Fenster und Außenbeleuchtung dar: Jede Luke, jedes Fenster und jede Öffnung zum Pläsier der Raumfahrer schwächt die Gesamtstruktur – denn merke: Auf Ubooten gibts auch keine Panoramafenster, um sich die lebensfeindliche Umwelt mal gesundheitsschädlich näher betrachten zu können! Und zu sehen gäbe es ohnehin nichts, da es im Weltall erstens (und entgegen landläufiger Darstellungen in SciFi-Filmen) zappenduster ist und zweitens man andere Aufgaben hätte, als sich die Sterne anzusehen. Mit dieser effizienten Begründung rückte ich auch die "Brücke" aus dem Fokus und hinein ins schützende Schiffsinnere. Ich habe mich schon als Jugendlicher und Kind gefragt, warum die oberste Kommandostelle bei der Enterprise so exponiert positioniert war – käme ein feindlich gesinnter Außerirdischer nicht schnell mal auf die naheliegend perfide Idee, mit einem gezielten Schuss dem Führungsstab der Enterprise das lautlose und kalte Vakuum des Weltraums erfahrbar und so den Garaus zu machen? Läge es da nicht näher, die "Brücke" zu einem simplen Kommandostand zu machen, schwieriger von außen erkennbar und tiefer eingebettet in die Infrastruktur des Schiffs? (Die Neuauflage von Battlestar Galactica weist hier mit dem Design des CIC programmatisch den logischen Weg – Schnurtelefone herrschen!)

Nebel steigen...
Ach ja...
Oft angedroht, jetzt wird's aber wirklich Zeit: Das Feld Star Trek habe ich nun oft und ausdauernd beackert. Ideen gäbe es da noch zur Genüge (z.B. die Idee des reifenförmigen Warpantriebs), aber es wird nun doch Zeit vorrangig den eigenen verschrobenen Gedankenkosmos zu bewirtschaften – denn auch der ist (so paradox sich das auch lesen mag) mehr als unendlich...

Ein richtig dickes Ende.


(D.P.)